Allerbeste Freundinnen – für immer

Die Geschichte einer Freundinnenschaft, die auf eine harte Probe gestellt wird: Sarah und Camille sind einander nah und vertraut, kennen Vorlieben und Ängste der anderen und teilen eine intuitive Kommunikation, die über Sprache weit hinausgeht. Eine krasse Zäsur, die Sarah zunächst nicht zu deuten vermag, stellt sich ganz plötzlich ein. Camille zieht sich ohne Begründung total zurück, wird abweisend und unternimmt nichts mehr mit der anderen. Sarah findet bald heraus, dass Camille als Dschihadistin angeworben wurde. Die psychischen und sozialen Implikationen werden aus den Perspektiven der beiden Mädchen abwechselnd dargestellt, spannend und lebensnah. Der Wunsch nach Zugehörigkeit, die Kritik an Konsumismus und Objektifizierung als Frau, die Lügen der Lebensmittelindustrie, die Suche nach Sinn – all dies spielt im Roman mit. Die psychologische Rekrutierung durch das Internet zeigt sich als raffinierte, auf die jeweilige Person zugeschnittene Manipulation. Entsprechend fragt die Psychologin: „Keinen Internetzugang mehr zu haben, ermöglicht dir also, wieder selbst zu denken?“ Eine atemlos erzählte, aktuelle Erzählung, leicht lesbar und aufschlussreich.

Susa

Dounia Bouzar: jihad, mon ami. Aus dem Franz. von Sarah Pasqay. 160 Seiten, Knesebeck, München 2017 EUR 15,40 ab 14 J.

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