alt + Frau*=?

Altwerden unter neoliberalen Bedingungen, als Frau, als Prekarisierte, als schwuler Mann. Was bedeutet Ruhestand in einer Leistungsgesellschaft, die sich selbst „Aktivgesellschaft“ nennt, in der nach der Krise 2008 Prekarisierung zur Norm wird? Ein weißer Mann in seinen besten Jahren, in den Jahren seiner Erwerbstätigkeit, ist weiterhin das (Lebens)Modell, das implizit vielen Forschungsansätzen, trotz feministischer Theorieproduktion, trotz Gender und Postcolonial Studies, unterlegt ist, mit dem verglichen, an dem gemessen wird. Wie aber kann es Theorieproduktion schaffen, Alter(n) nicht nur als Abweichung zu definieren? Was kann Stereotypenforschung dazu beitragen? Wie wirken die Kategorien alt, arm und weiblich zusammen? Wie können als alt und weiblich konstruierte Körper erfahren und verhandelt werden? Wie kann es gelingen den „Körper als Verschränkung von Alter und Geschlecht“ zu untersuchen? Birgt der „nicht-schöne“ alte Körper ein Potential zur Widerständigkeit? Diese Fragen stellt sich die feministische, kapitalismuskritische Alterforschung und antwortet damit auf die „Altersvergessenheit“ der Geschlechterforschung und die „Theorielosigkeit“ der Altersforschung.

Die Alterssoziologinnen Tina Denninger und Lea Schütze stellten nach einem Seminar mit gleichem Titel an der Universität München den vorliegenden Sammelband zusammen. Zehn Artikel und die Einleitung beleuchten, teilweise theoretisch, teilweise empirisch, den aktuellen Forschungsstand der Alterssoziologie, blinde Flecken und Perspektiven. Ein hochinteressantes Buch für theoriebegeisterte Leser*innen.

Sena Dogan

Alter(n) und Geschlecht. Neuverhandlungen eines sozialen Zusammenhangs. Hg. von Tina Denninger und Lea Schütze. 242 Seiten, Westfälisches Dampfboot, Münster 2017 EUR 28,80

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