Am I real?

Olga Flors neuer Roman ist auf den ersten Blick ein in Buchseiten gedruckter Blog, den die 13-jährige Modebloggerin Alice W. unter dem Namen nextGirl schreibt. Blog-konform wird von hinten nach vorne erzählt, vom 12.12. bis zum 11.11. des Vorjahres, es gibt Bilder, Links, Kommentare. Hauptkommentatorin ist das Modell Bianca, das den Blog liest und in einen digitalen Dialog mit nextGirl tritt. Während Alice aka (auch bekannt als) nextGirl nicht nur über Mode, sondern auch über sich selbst schreibt und dabei auch recht philosophischen Fragen nachgeht, erzählt Bianca vom Alltag als Modell, von Existenzängsten, von der Angst aus der Mode zu sein, von Körperzurichtungen und Krankheiten (und einem Wurm, der in ihr wächst!)
Einen Blog wie ein Buch zu lesen, ist anfangs vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig. Doch sobald eine_r eingelesen ist, ist es recht spannend, vom jüngsten Eintrag zum ältesten zu lesen. Das Lesen des Blogs, chronologisch umgekehrt und in für sich stehenden Blogeinträgen, kratzt an der Zeit überhaupt und der im Netz. Vor allem begibt sich Alice in ihren Einträgen auch auf eine Metaebene und fragt, was ein Blog ist. Ob „das Festhalten von Momentaufnahmen einer äußeren Wirklichkeit das Leben irgendwie wirklicher macht, wirklicher als wirklich, reell real…?“ Was hat das gestrige Ich mit dem heutigen zu tun?
Ähm, gefällt mir! Jenny Unger
Olga Flor: Ich in Gelb. Roman. 211 Seiten, Jung und Jung, Salzburg-Wien 2015 EUR 22,00

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