Amandla 

Wie bereits in ihrem Bestsellerroman „Heimschwimmen“ (2013) und ihren Kurzgeschichten schafft es die englische Autorin auch in ihrer kurzen Autobiografie mit einfühlsamen Metaphern eine atmosphärische Stimmung zu erzeugen. Auf einer Reise nach Palma de Mallorca sucht sie nach den Spuren ihrer Kindheit, indem sie ein vormaliges Kindermädchen, welches nun Pensionsbesitzerin ist, besucht. Die Ich-Erzählerin ist zunächst in Jo`burg, Südafrika aufgewachsen, wo sie sehr früh mit emotionalen Entbehrungen umzugehen lernt. Ihr Vater wird als politischer Aktivist des ANC für 5 Jahre eingesperrt, als sie vier Jahre alt ist. Früh beginnt sie Gedanken auf Papierservierten zu formulieren. Die Sehnsucht nach der Familie, als sie für einige Zeit zur Tante nach Durban geschickt wird, drückt sich in Schweigen aus. Einsame Gedanken, weil man etwas minutiös spürt, werden nicht ausgesprochen, aber zumindest von ihrer Kusine Melissa partiell erkannt. In der von Nonnen unterhaltenen Schule lernt sie früh Menschen differenziert zu sehen. Die äußere Botschaft muss nicht die innere sein, die Entschlüsselung zwischen Schein und Sein ist ihr ein wichtiges Anliegen. Von Duras und Beauvoir inspiriert, ist Levy eine außerordentlich feinmaschige Feministin, die die Erforschung der Landkarte menschlicher Abgründe sich zur Aufgabe macht.  ML

Deborah Levy: Was ich nicht wissen will. Autobiografie. Aus dem Englischen von Barbara Schaden. 110 Seiten, Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2015 EUR  10,20

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