Auf nach Wien 

Anne ist 50. Sie ist Hausfrau, Ehefrau, Tochter – sie dient und erledigt, was andere von ihr erwarten. Ganz kurz, bevor ihr all das zu viel wird und sie sich selbst endgültig zu verlieren droht, bricht sie aus. Steigt im Auto aufs Gas und rast von der Pfalz ohne Pause in das Wien ihrer Kindheit. Es ist eine Flucht nach vorne, ohne Gepäck und Plan. Sie findet sich wieder in einer Drag-Queen-WG, in einer Welt, die so gar nichts mit ihrem öden Dasein als Dienerin zu tun hat. Geschlechterrollen spielen keine Rolle mehr und das Alter auch nicht. Auf ihren nächtlichen Spaziergängen durch Wien entdeckt Anne neue Seiten an sich selbst und wird zu der begehrenswerten, selbstbewussten Frau, die sie sein wollte. Es ist eine unterhaltsame, wenn auch nicht allzu tiefsinnige Geschichte. WienerInnen werden befinden: So romantisch und aufregend ist Wien gar nicht, zumindest nicht immer. Aber für die Erzählung ist das nebensächlich. Es geht eher um Annes innere Reise zu sich selbst, für die die fremde Stadt ganz bald zum neuen Zuhause wird. Am Ende weiß Anne, sie kann alles sein: Prinzessin, Kaiserin, Drache und Träumerin. Einfach mitträumen – denn welche hat sich noch nie gewünscht, einfach mal aufs Gas zu steigen.  GaH

Christine Weiner: 30 Songs und eine Frau. Roman. 361 Seiten. Marion von Schröder, Berlin 2015 EUR  15,50

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