Aufbruch

Aufgewachsen am letzten Ende der dänischen Provinz lebt Sonja nun schon seit dem Studium und somit über zwanzig Jahren in Kopenhagen. Sie ist erfolgreiche Übersetzerin eines schwedischen Bestseller-Krimiautors, was heißt, sie lebt bescheiden. Sonja lebt alleine und einsam. Der Kontakt zu ihrer Schwester ist so gut wie inexistent. Die Verbindung zu den Eltern erkaltet. In einem Versuch aus diesem Stadium auszubrechen, will sie endlich den Führerschein machen, doch sie fühlt sich mehr als unbegabt, was sich kaum dadurch ändern lässt, dass ihre großschnäuzige, aggressive Fahrlehrerin immer für sie schaltet, während sie ununterbrochen auf sie einredet – über alles, nur nicht übers Autofahren. Die Kraft, die es braucht, um gegen all das anzukämpfen, aus diesem ohnmächtigen Befinden auszubrechen, macht Dorthe Nors in ihrem Roman ganz real spürbar. Sonja schleppt sich durchs Leben, aber kleine Schritte – wie der Wechsel der Fahrlehrerin – setzen eine Entwicklung in Gang. Trotz der lähmenden Thematik wird der Inhalt des Buches nie depressiv und auch der Lesefluss nicht gehemmt. Für Sonja geht das Leben vorwärts und die Leserin bleibt in positiver Stimmung zurück. ESt

Dorthe Nors: Rechts blinken, links abbiegen. Aus dem Dän. von Franz Zuber. 192 Seiten, Kein & Aber, Zürich – Berlin 2016 EUR 20,60

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