Bedingungslose Solidarität 

Ausgangspunkt im gemeinsamen Vorwort der beiden Autorinnen ist das Thema Gerechtigkeit und zwar in einem zunächst ganz praktischen Sinne. Die Prämisse, wo soziale Gerechtigkeit herrsche, dort könne auch ein befriedigendes Zusammenleben sich entfalten, bildet eine argumentativ überzeugende Basis. Die aktuelle Situation der wachsenden sozialen Ungleichheit gefährdet demokratische Prozesse nicht nur aus Gründen eines steigenden Widerstands der Betroffenen. Einflussnahme durch die immer stärker monopolisierten, finanzgesteuerten Medienkonzerne tun ein Übriges, um „abweichende Meinungen“ auszugrenzen und ihnen Repräsentationsmöglichkeiten zu entziehen. Im Weiteren werden auch theoretische Überlegungen miteinbezogen, Luise Reddemann bringt aus ihrer Erfahrung als Psychotherapeutin und Traumatologin Anregungen zum Herstellen gerechterer Verhältnisse ein, die sie oft mit Märchen illustriert. Sylvia Wetzel hingegen präsentiert Übungen aus der buddhistischen Praxis, die sich um Verbundenheit und Mitgefühl bemühen. Das mitfühlende Verhältnis zu anderen als menschlichen Wesen findet leider außer in einem Nebensatz keinen Platz, was vor allem angesichts des inkludierenden Titels enttäuschend ist – immerhin wäre auch das Leben interspezies-dringend zu befrieden.

Susa

Luise Reddemann, Sylvia Wetzel: Mögen alle Wesen glücklich sein. Mitgefühl und Gerechtigkeit neu entdecken. 184 Seiten, Patmos, Ostfildern 2017 EUR 18,50

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