Chinesische Konturen

Unterschiedliche kulturelle und historische Konstellationen treffen im Roman von Undine Radzevičiūtė aufeinander: hier beschreibt sie in kurzen Sätzen mit viel direkter Rede das Zusammenleben von vier Frauen in einer  EURopäischen Chinatown, dort führt sie die Leserin ins China des 18. Jahrhunderts. Die Protagonistinnen des gegenwärtigen Erzählstrangs, eine dauerrauchende Großmutter, eine Erotikkrimis schreibende Mutter und zwei erwachsene, studierende Töchter debattieren über Alltägliches wie Tiefgründiges. Der historische Erzählstrang beschreibt das Leben eines Jesuitenpaters, der in China eigentlich missionieren soll, aber durch Malaufträge für Pferdebilder am Hof des Kaisers immer mehr in die chinesische Gesellschaft integriert wird. Diese Thematik bearbeitet auch eine der vier Frauen im Buch, Schascha, die aus dem Doktoratsstudium hinausgeworfen wurde. Warum, erfährt die Leserin nicht. Auf Handlungszusammenhänge wird ohnehin größtenteils verzichtet. Die beiden Teile vermitteln keine zwingende Verbindung, scheinen nichts gemein zu haben, nur da und dort blitzen Andeutungen und Assoziationen auf. So ist das Buch auch angelegt. Die Autorin sagt selbst, es gehe darum, was die Leserin selbst entdecke. Für Leserinnen, die sich gerne Geschichten erzählen lassen wollen, ist dieser Schreibstil allerdings mit Sicherheit ungeeignet. Susa

Undiné Radzevičiutė: Fische und Drachen. Aus dem Litau. von Cornelius Hell. 400 Seiten, Residenz, Salzburg 2017 EUR 24,00

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