Die mit dem Gorilla spricht

Wow, was für ein Buch! Ein Gorilla, der gelernt hat sich wie ein Mensch zu verhalten, und eine Forscherin, die sich selber auswildert – sie kommunizieren in Gebärdensprache miteinander, interpretieren sich wechselseitig so gut es geht und schließen ihr Menschen(Affen)Rudel immer mehr aus ihrer Beziehung aus. Die Gorillas, sie werden Subjects genannt, sind zunächst dazu verdammt, als Menschenkinder bei Pflegeeltern aufzuwachsen. Im Folgeprojekt mit dem bezeichnenden Namen „Gorillas Return to Innocence“ werden sie dazu verurteilt, im Dschungel überleben zu lernen – ihre Todesrate ist hoch. Die Übersetzungsleistungen der Forscherin werden bewusst fehlerhaft, aus der Motivation heraus, ihren Lieblingsgorilla zu beschützen. Dies hat Folgen.  Die Geschichte spielt im Kontext eines biologischen Großforschungsprojekts. Wissenschaftsethik, Speziesmus und Tierversuche, Kommunikation über die Speziesgrenzen hinweg, Forschungslogiken, wissenschaftliche Karrieren und patriarchale Chefs werden abgehandelt. Die Autorin liefert einen großartigen Einblick in die Forschungspraxis und spricht die wichtige Frage der Tierrechte an – dies alles in eine fesselnde Romanhandlung verpackt, die nicht mehr loslässt. gam

Bettina Suleimann: Auswilderung. Roman. 266 Seiten, Suhrkamp, Berlin 2014EUR 15,50

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