Diversität eines Medienspektakels 

Wie kaum ein anderes Ereignis der Populärkultur polarisiert der Eurovision Song Contest jedes Jahr auf ein Neues. Initiiert 1956, um das junge Medium Fernsehen mit einer Musikshow attraktiv zu gestalten, kann der Wettbewerb als Spiegel gesellschaftspolitischer und kultureller Veränderungen herhalten. Diesem Unterfangen widmet sich der Sammelband, der von MedienwissenschaftlerInnen der Universität Wien herausgegeben wurde und sich in 20 Aufsätzen aus der Perspektive der Kultur- und Geschichtswissenschaft, der Performance und Gender Studies schlaglichtartig dem Phänomen nähert. Fragen zur Identitätsstiftung und Stereotypisierung werden methodisch etwa durch detailgenaue Bildanalysen, kritische Aufarbeitung der medialen Berichterstattungen oder Umfragen in sozialen Netzwerken versucht zu beantworten. Die Fülle und Kürze der Essays ergeben ein breites Spektrum, das dem Gegenstand in seiner Diversität gerecht wird, stellenweise zwar Generalisierungen und Redundanzen (auch in Bezug auf den aktuellen Stand der Forschung) sowie persönliche Meinungen der AutorInnen durchscheinen lässt, aber vor allem eine kritische Reflexion zur Rezeption von Conchita Wurst bietet und gesellschaftliche Befindlichkeiten des Gastgeberlandes entlarvt. Nahezu konsequent ausgeblendet wird allerdings die musikalisch-ästhetische Dimension, die als sine qua non des Song Contest beispielsweise in der Gesangsleistung der SängerInnen oder in der emotionalen Wirkung von Popmusik nachzuzeichnen wäre.

Saskia Jaszoltowski

Eurovision Song Contest. Eine kleine Geschichte zwischen Körper, Geschlecht und Nation. Hg. von Christine Ehardt, Georg Vogt und Florian Wagner. 344 Seiten, Zaglossus, Wien 2015 EUR  19,95

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

zwölf − sieben =