Ein Moment

Der zweite Roman der Autorin spielt in Beer Scheva, er handelt vom strafversetzten Neurochirurgen Etan Grien, der mit der Kriminalinspektorin Liat verheiratet ist und zwei Kinder hat. Eines Nachts überfährt Etan einen Einwanderer aus Eritrea und begeht aus Panik Fahrerflucht, um seine Karriere und Ehe nicht zu gefährden. Sirkit, die Ehefrau des Unfalltoten, die den Unfall beobachtet hat, erpresst ihn daraufhin. Sie verlangt, dass er ihre prekär lebenden Landsleute medizinisch versorgen soll. Für Etan beginnt ein aufwendiges Doppelleben zwischen Spital und Familie und seinen nächtlichen Ordinationsstunden in einer aufgelassenen Tankstelle. Zeitliche Engpässe und Unregelmäßigkeiten werden für ihn unvermeidbar, so dass er sich zunehmend in Widersprüche verstrickt. Zeitgleich ist seine Frau Liat damit beschäftigt, den Fahrerflüchtigen zu finden. Etans und Sirkits strapaziertes Verhältnis verbessert sich trotz ihrer unterschiedlichen Lebenszusammenhänge. Etans und Liats Ehe wird dagegen immer brüchiger. Die Geschichte beginnt mit einem unglaublich beeindruckenden Spannungsbogen, der nach und nach flacher wird. Der psychologisierende Inhalt hat es in sich, weil er authentisch ambivalente Gefühlswelten nachvollziehbar macht. Durch die gelungenen inneren Monologe wird deutlich, dass Menschen zu allem bereit sind, und dass nicht nur das Gute jederzeit abrufbar ist. Bei der Charakterisierung der arabischen Beduinen wäre eine stärkere Differenzierung notwendig gewesen. Davon abgesehen ist der Roman gesellschaftskritisch und konsequent. Antonia Laudon
Ayelet Gundar-Goshen: Löwen wecken. Roman. Aus dem Hebräischen von Ruth Achlama. 432 Seiten, Kein & Aber Verlag, Berlin 2015 EUR 23,50

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