Ein neues Kapitel des Gedenkens 

Viel zu lange war der Gedenkdiskurs über Homosexuelle und transgender Opfer des Nationalsozialismus ein Kampf um Anerkennung als Opfergruppe. Dieser Sammelband hingegen thematisiert jedoch den Übergang von vergessenen Opfergruppen hin zu einer (Rand)Gruppe der NS-Erinnerungskultur Europas. Gedenkpolitik ist ein Begriff mit vielen Facetten, der an der Schnittstelle von Geschichte, Kunst, Kultur und der Politik des Vergessens steht. Der Sammelband fokussiert nicht ausschließlich auf die bereits im Diskurs stehenden Fragen und Themen der Erinnerungspolitik wie z.B. die Verbindung zwischen Mahnmal und Stadt; wie Erinnerungen in der Stadtlandschaft realisiert werden; wer sich an wen erinnert uvm., sondern auch auf neue Fragestellungen, nämlich wie eine Community ihre eigene Gedenkkultur diskutiert, entwickelt und schließlich realisiert.Besonders bemerkenswert ist in der Sammlung die Dokumentation von Community Workshops, die verschiedene Dimensionen des Gedenkens thematisierten. Dadurch wird deutlich, dass Erinnerungskultur schließlich als Dialog zu verstehen ist und nicht nur in einem engen akademischen Kreis verhandelt werden kann. So kann eine interessante Vielfalt von Stimmen laut werden, doch trotz spannender Erarbeitung der Themenfelder passen leider einige Teile des Buches weniger zum Thema. Das Buch ist jedenfalls ein wichtiger Beitrag zur Wiener Gedenkkultur und ein Muss für diejenige_n, die sich mit diesem Thema beschäftigen, danke für die Zusammenstellung! Hafdis Erla 

Zu spät? Dimensionen des Gedenkens an homosexuelle und transgender Opfer des Nationalsozialismus. Hg. von QWIEN und WASt. 356 Seiten, Zaglossus, Wien 2015 EUR  24,95

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