Einfache Antworten sind nicht genug 

„Ausländer kosten uns mehr, als sie bringen.“ „Die Jugend wird immer gewalttätiger.“ „Die EU ist ein Verwaltungsmoloch.“ „Bei den Nazis war nicht alles schlecht.“ „Wir dürfen in islamischen Staaten auch keine Kirchen bauen.“  Man weiß ja vielleicht, dass das alles so nicht stimmt – aber kann man es auch beweisen? Wenn nicht, so liefert das Buch ausführlich Argument um Argument, um diese und noch viele andere „Wahrheiten“ zu widerlegen. Unter Heranziehung einschlägiger wissenschaftlicher Literatur werden pauschalisierende Aussagen über MigrantInnen, den Islam, die EU und Verharmlosungen des nationalsozialistischen Regimes systematisch untersucht und widerlegt,  und dabei wird auch nicht verschwiegen, wenn Aspekte von Behauptungen selten, aber manchmal doch zutreffen. Das führte zumindest mich zu einigen überraschenden Einsichten: Dass für die Stadt Wien z.B. 10 000 MitarbeiterInnen mehr arbeiten als in der gesamten EU-Verwaltung, war mir ebenso neu, wie die im Vergleich zu anderen Tätergruppen sehr geringe Anzahl von islamistischen TerroristInnen, oder dass ChristInnen nicht in islamischen Ländern, sondern am meisten in Nordkorea unter Verfolgungen zu leiden haben. Die, die es betrifft, werden dieses sachliche, unaufgeregte, aber doch spannende und mitunter humorvoll geschriebene Buch kaum lesen. Aber auch gut informierten LeserInnen liefert es manche neuen, kaum widerlegbaren Argumente gegen den sogenannten „Stammtisch“.

Sabine Reifenauer

Nina Horaczek u. Sebastian Wiese: Gegen Vorurteile. Wie du dich mit guten Argumenten gegen dumme Behauptungen wehrst. 192 Seiten, Czernin Verlag, Wien 2015  EUR  17,90

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