Elitäre Diversität und ihre Ausschlüsse

Im „tertiären Bildungsbereich“, der in Österreich begrifflich für Unis und FHs steht – in Deutschland und der Schweiz können auch bestimmte Berufsausbildungen damit gemeint sein –, macht sich sozialer Ausschluss besonders stark bemerkbar. Aus feministischer Perspektive geht es dabei längst nicht mehr „nur“ um die Kategorie Geschlecht: Migrationserfahrungen, strukturelle und individuelle Rassismen, Behinderung und – ganz zentral – Klasse spielen eine wesentliche Rolle. Das vorliegende Buch, das auf eine gemeinsame Tagung der Sektionen für Geschlechterforschung der österreichischen, deutschen und Schweizer Gesellschaften für Soziologie zurückgeht, greift diese Probleme mit Fokus auf „Gender“ und „Migration“ auf. Drei große Themenblöcke strukturieren die Lektüre, dennoch entsteht beim Lesen der (jeweils sehr fundierten) Beiträge der Eindruck eines „Fleckerlteppichs“ sehr unterschiedlicher Projekte, Zugänge und Ergebnisse – ein Problem, das dieses Buch mit fast allen Konferenzbänden teilt. Uneingeschränkt empfehlen lässt sich die Lektüre daher vor allem Spezialist_innen, für die das Buch eine Fundgrube von Informationen bereitstellt. Aus weniger spezialisierter Perspektive hätte eine stärkere Einbettung der einzelnen Forschungsergebnisse und Projekte in die nur sehr knapp skizzierten Tendenzen zum neoliberalen Umbau europäischer Bildungssysteme und die damit verbundenen Internationalisierungsbestrebungen den Band kritischer und spannender gemacht.

Stefanie Mayer

Gender und Migration an Universitäten, Fachhochschulen und in der höheren Berufsbildung. Hg. von Irene Kriesi, Brigitte Liebig, Ilona Horwath und Birgit Riegraf.  289 Seiten, Westfälisches Dampfboot, Münster 2016 EUR 30,80

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