Erzähl mir nichts von Nähmaschinen

Wo Rotlichtviertel zu Blaulichtvierteln werden nimmt die (Polizei-)Gewalt gegen SexarbeiterInnen zu und mafiöse Strukturen gedeihen. Die Auswirkungen auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen von SexarbeiterInnen sind verheerend. Die Autorin fordert daher eine umfassende Legalisierung von Sexarbeit, ohne juristische Spitzfindigkeiten („Bestrafung der Freier“). Sexarbeit ist (Dienstleistungs-)Arbeit, ob am Telefon, im Internet, live oder aus der Dose. Ebenso vielfältig sind die Personen, die diese Arbeit ausführen. Doch während Grant von Geschäftsmodellen und Kommunikationswegen fabuliert, die selbstbestimmte Sexarbeit ermöglichen sollen, bleibt die Frage nach den Arbeitsbeziehungen ungestellt: Schließt die „Hurensolidarität“ auch ZuhälterInnen ein und was bedeutet das für die „Selbstermächtigung“ der SexarbeiterInnen?

Grants Buch ist eine Streitschrift gegen eine heuchlerische „Prostitutionsdebatte“ die SexarbeiterInnen paternalistisch bevormundet und als Opfer bemitleidet oder ob ihrer Willfährigkeit gleichsam als (Mit-)TäterInnen verachtet. Der moralisierenden Frage nach der persönlichen Motivation von SexarbeiterInnen (unfreiwillig? geldgierig? sexsüchtig? arbeitsscheu?) stellt sie ein Transparent der kambodschanischen SexarbeiterInnen-Bewegung entgegen: „Erzähl mir nichts von Nähmaschinen, erzähl mir lieber was von Arbeitsrechten“. DCh

Melissa Gira Grant: Hure spielen. Die Arbeit der Sexarbeit. 192 Seiten, Edition Nautilus, Hamburg 2014 EUR 15,40

 

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