Frauenkarrieren und doing gender

Trotz eines weiblichen Beschäftigungsanteils von 80% sind Führungspositionen im Gesundheits- und Sozialbereich mehrheitlich mit Männern besetzt. Im Rahmen einer Studie der Hochschule Niederrhein führten die Autorinnen eine umfassende Analyse der verinnerlichten, interaktionalen und strukturellen Bedingungen, die männliche Führung begünstigen, durch. Bezugnehmend auf Foucaultsche Annahmen zu epistemischen, also wissens- und machtkonstituierenden gesellschaftlichen Diskursen, wurden die für den beruflichen Aufstieg von Frauen relevanten Grundannahmen in Interviews und Fragebögen identifiziert. Nicht verwunderlich, dass Episteme wie „Familienarbeit ist Frauensache“ oder „Führungskräfte müssen allzeit verfügbar sein“ sichtbar wurden. Auf individueller Ebene entsteht daraus ein „ich trau mir Managementarbeit nicht zu“, „ich habe andere Prioritäten“ oder aus Arbeitgeberinnensicht „sie hat Betreuungspflichten und ist daher nicht ausreichend verfügbar“. Die Autorinnen sehen einen Reflexions- und Umdenkbedarf bei Führungskräften und bei Personalentwicklungsmaßnahmen, um diesen Kreislauf zu durchbrechen. Im zweiten Teil des Buches werden Tools zur gendersensiblen Personalentwicklung vorgestellt und diskutiert, wie etwa veränderte MitarbeiterInnengespräche. Die Erprobung von Führung in Teilzeit war nicht möglich, da kein kooperierendes Unternehmen gefunden wurde. Die methodische Herangehensweise der Studie ist interessant und auf hohem Niveau. Schade nur, dass die nicht wirklich neuen Befunde wieder nur zu Maßnahmen im soft-skill Bereich führen. Katja Russo

Frauen in Führungspositionen im Gesundheits- und Sozialwesen. Analysen und Empfehlungen für gendersensible Personalentwicklung. Hg. von Annette Müller, Nicole Schreiber, Sarah Greven und Edeltraut Vomberg.  246 Seiten, Verlag Barbara Budrich, Opladen 2016 EUR 33,00

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