Freundschaft unter Feinden

Lizzie Doron, eine israelische Schriftstellerin, dokumentiert in ihrem neuen Roman ihre Begegnung mit dem palästinensisch-israelischen Filmemacher Nadim Abu Hanis. Die beiden lernen sich 2009 in Rom auf einer Friedenskonferenz kennen und planen eine künstlerische Zusammenarbeit: Sie will ein Buch über sein Leben schreiben, er einen Film über sie drehen. Zurück in Israel entsteht so etwas wie eine Freundschaft, diese wird aber sowohl durch die gegenseitigen Vorurteile und Ängste, als auch aufgrund der politischen Situation auf die Probe gestellt. In der Erzählung verschmelzen autobiografische Elemente und Fiktion, wodurch die beschriebenen Szenen und Erfahrungen ihren Einzelfall-Charakter verlieren und exemplarisch für den konfliktreichen Alltag der Bevölkerung in Israel und Palästina stehen.
Leider bleibt das Buch trotz seiner brisanten Thematik etwas zäh. Die im Stil eines Tagebuchs – und dadurch sehr ich-bezogen – erzählten Episoden wirken teils recht gewollt, die (Neben-) Charaktere eindimensional. Obwohl die Autorin versucht, die Komplexität der Lebenssituation in Israel darzustellen, eigene Widersprüche zu reflektieren und Feindbilder abzubauen, bleibt sie immer wieder platten Klischees verhaftet und schafft es nur ansatzweise, ihre von Angst (vor dem Fremden) geprägte Sicht auf „die“ Palästinenser_innen selbstkritisch zu hinterfragen. Rebecca Strobl
Lizzie Doron: Who the Fuck Is Kafka. Roman. Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler. 255 Seiten, Dtv premium, München 2015 EUR 15,40

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