Ganz schön eng!

In Untersuchungshaft, in einer acht Quadratmeter großen Gefängniszelle sitzt Hannah. Die junge Ärztin weiß nicht, was sie getan hat. Kurz nachdem sie erfährt, dass ihr Lebensgefährte und ihre beste Freundin eine erotische Beziehung miteinander pflegen, werden beide tot in der Wohnung der Freundin aufgefunden, vermutlich ermordet. Neben der männlichen Leiche hockt Hannah. Es scheint offensichtlich: Die Gewalttat einer rasend Eifersüchtigen, einer verzweifelten Betrogenen. Nur – Hannah weiß nicht, was passiert ist, was sie getan hat. Eine zeitliche Lücke in ihrem Gedächtnis bringt sie in diese fast unerträgliche Lage.

Candida Schlüter erschreibt sich in zwei Erzählsträngen die Aufklärung des Falles. In dem einem begleiten wir Hannahs Zeit in der Justizvollzugsanstalt. Wenn es fast nicht mehr auszuhalten ist – Gewalt, Fremdbestimmung, die ungerechte Macht der Sozialisation – dürfen wir raus aus der Anstalt und der Polizei bei ihrer Arbeit über die Schulter sehen. Und wieder Luft holen! Wir tanken Zuversicht – die Aufklärungsarbeit geht voran. Der Krimi nimmt die Leserin tatsächlich gefangen. Die Schilderung des rauen Gefängnisalltags ist nüchtern und wirkt (leider!) nicht übertrieben. Die Protagonist*innen werden beschrieben, aber kaum bewertet. Keine Schwarz-Weiß-Malerei. Empfehlenswert! Gerda Kolb

Candida Schlüter: 8m2. 268 Seiten, Grafit, Dortmund 2017 EUR 11,00

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