Geschlecht gestalten?  

Dieser Sammelband, der aus der gleichnamigen Fachtagung entstanden ist, verdeutlicht aus interdisziplinärer Perspektive das Spannungsverhältnis verschiedener Dimensionen, in dem sich die gendersensible Gestaltung von Human-Computer-Interaction (HCI), Usability und User Experience (UX) befindet, und greift gleich in der Einleitung eine zentrale Frage auf: Wie kann in Technikgestaltung Geschlecht einbezogen werden, ohne sich einer Reproduktion der binären Kategorien Mann und Frau auszuliefern? Theoretiker*innen der deutschsprachigen Technikforschung plädieren zunächst für eine kritische, dekonstruierende und nicht essentialisierende Technikgestaltung, die gleichzeitig nicht nur Geschlecht als zentrale Kategorie fasst, sondern auch Genderaspekte als mit weiteren Benachteiligungskategorien verschränkt und den Gestaltungsprozess selbst als Teil von Doing Gender denkt. Im zweiten Teil des Bandes werden bestehende Gestaltungskonzepte und -vorgehensweisen weiterentwickelt, um den im ersten Teil dargelegten Problematiken zu begegnen. Fallstudien zu Einschreibungen von Geschlecht in Software und institutionellen Bedingungen für gender- und diversitygerechte HCI runden den Sammelband ab. Sehr schön ist, dass sich die Publikation gleichsam an ein Publikum richtet, das im akademisch-wissenschaftlichen, aber auch im gestalterisch-industriellen Bereich angesiedelt ist und im Sinne dieser Verschränkung für beide Gruppen verbindende Denkanstöße zu bieten hat. Ein zeitgemäßer und höchst (forschungspraxis-)relevanter Band, insbesondere vor dem Hintergrund der Zentralität, die Informations- und Kommunikationstechnologien in modernen Gesellschaften und somit für unser aller Leben haben.

Susanne Oechsner

GENDER-UseIT. HCI, Usability und UX unter Gendergesichtspunkten. Hg. von Nicola Marsden und Ute Kempf. 212 Seiten, De Gruyter Oldenbourg, Berlin 2014 EUR  82,20

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