Geschlecht ist (immer noch) politisch! 

In antifeministischen Zeiten wie diesen, die vielerorts den Medien-, Institutionen- und Wissenschaftsalltag prägen, kommt Clarissa Rudolphs explizit feministische Einführung in die „Geschlechterverhältnisse in der Politik“ gerade recht. „(P)olitisches Ziel“ ist zugleich das Sichtbarmachen von „Geschlecht in allen gesellschaftlichen Strukturen und Machtverhältnissen“ und die „Beendigung ungleicher Geschlechterverhältnisse“. Rudolph nimmt sich dieses Ziels durch zentrale Begriffe einer „genderorientierten“ Politikwissenschaft an und behandelt so in einer überzeugenden Auswahl die Themen Geschlecht, Politikwissenschaft und Geschlecht, Geschlechterverhältnisse als Machtverhältnisse, weiters Staat, Demokratie, Ökonomisierung, Menschenrechte sowie Erweiterungen feministischer Politikwissenschaft, zu denen sie Queer Studies, Intersektionalität, Postcolonial Studies und Männerforschung zählt. Interessant wäre hier gleichwohl, diese binnenfeministischen „Streitpunkte“ konsequent auch in den einzelnen Kapiteln verortet zu sehen: etwa um Geschlecht und Sexualität politisch zu verknüpfen, aber auch, weil die Verschränkung unterschiedlicher Machtverhältnisse – so etwa Patriarchat, Kapitalismus und Kolonialismus – (einige) feministische Debatten seit ihren Anfängen prägt. Rudolphs Buch ist eine engagierte, kritische und aktualitätsbezogene Einführung in feministische Politikwissenschaft, die nicht zuletzt konzeptionell durch Beispiele aus der Forschungspraxis sowie weiterführende Literatur am Ende jedes Kapitels überzeugt.

Brigitte Bargetz

Clarissa Rudolph: Geschlechterverhältnisse in der Politik. Eine genderorientierte Einführung in Grundfragen der Politikwissenschaft. 171 Seiten,Barbara Budrich, Opladen
2015 EUR 16,50

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