Hierarchiearme Halbinseln

Um kapitalismuskritische gesellschaftliche Veränderungen hervorzurufen, braucht es Entwicklungsszenarien. Die Politikwissenschaftlerin Sauer untersucht drei Beispiele der Selbstorganisation in Deutschland um zu klären, ob das Überwinden von Hegemonie[re]produktion gelingen kann. Sie analysiert als Beobachterin anhand von Plena oder Gruppendiskussionen das „Mietshäuser Syndikatsmodell“, dann die „New Yorck“, ein besetztes Haus, und den „Wagenplatz Schwarzer Kanal“ in Berlin. Alle drei Untersuchungsobjekte beschäftigen sich mit kollektiven Ideen, um Gemeineigentum zu schaffen und Hierarchien in Gruppen abzubauen. Dieses wird insbesondere dann deutlich, wenn Abstimmungsprozesse in den Projekten erfolgen, da anarchistische Konsensprinzipien herangezogen werden. Heterogenität erfährt dabei einen respektvollen Umgang, so dass eine Ermutigung für das Formulieren eines Dissenses ermöglicht wird. Letztlich geht es auch immer um In- und Exklusion. Das Hinterfragen von herrschaftsförmigen Strukturbildungen in alternativen Räumen, wo emanzipatorische Ansprüche formuliert werden, bleibt auch hier den Beteiligten nicht erspart. Ein spannender Beitrag zu gelebter Demokratie, auch wenn wenig Augenmerk darauf gelegt wird, dass aktive Partizipation auch eine Frage der Kompetenz ist und Engagement in Gruppenprozessen oft sehr unterschiedlich verteilt ist. Antonia Laudon

Madeleiner Sauer: Widerspenstige Alltagspraxen – Eine queer-feministische Suchbewegung wider den Kapitalozentrismus.  265 Seiten, transcript, Bielefeld 2016 EUR 34,99

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