Ich kniff die Augen zusammen…

Laufen! Von der Uni zur Arbeit laufen, von der Arbeit nach Hause laufen, und weiter, immer weiter. In China galt Li als die Streberin im Deutschkurs, an der deutschen FH muss sie sich sagen lassen, dass ihre Beiträge klingen, als wären sie durch ein Übersetzungsprogramm gelaufen. Ein unbekanntes Wort lässt eine ganze Unterhaltung zum Kauderwelsch werden, und doch ist es Bild des darauffolgenden unbehaglichen Schweigens, das eine Ahnung von Ruhe verspricht. In China ist es morgens, in Deutschland tiefe Nacht, wenn Chen im Videochat erwähnt, dass er nun Ping treffen wird und nicht versprechen kann, dass nichts passiert. Keine Zeit darüber nachzudenken, Li muss los, die Chefin des Sushi Restaurants mag keine Verspätung.

Auf nur 32 Seiten vermittelt Yi Lou die Einsamkeit und die Belastungen einer Frau, die, um zu lernen, um den halben Erdball gereist ist und sich in einer Situation wiederfindet, in der es scheint, als wäre ihr das eigene Leben immer einen Schritt voraus und die Leserin letztlich genauso atemlos hinterlässt wie die Protagonistin selbst. baw

Yi Luo: Running Girl. 32 Seiten, Reprodukt, Berlin 2016 EUR 10,30

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