Immer dasselbe 

Wir befinden uns in einem Wohnhaus in München. Nebenan tobt der Lärm einer Großbaustelle, während wir fünf BewohnerInnen kennenlernen: den schwulen Banker beim üblichen Achtel Wein, den verfressenen Diabetiker beim Torte zubereiten, den Aufreißer-Oberarzt, der gerade die Zufallsbekannte aus der Bäckerei bumst, die sportsüchtige Altenpflegerin auf dem Hometrainer und das Teenagemädchen, das wie immer im Internet hängt und nebenbei davon fantasiert, dass der Stiefvater ihr den Hintern versohlt. Plötzlich kehrt Stille ein; auf der Baustelle wurde eine Fliegerbombe gefunden, die gesamte Straße wird evakuiert. Nur unsere fünf ProtagonistInnen bleiben wo und wobei sie sind, während wir abwechselnd aus ihrer jeweiligen Perspektive mehr über ihr Leben erfahren, von Ereignissen, zwischen denen immer mehr Verbindungen, Abgründe und Verbrechen bekannt werden, bis eine sich am Ende einfach nur mehr wünscht, die Bombe möge hochgehen. Soweit so gut. Doch irgendwie bleiben die Figuren alle das oberflächliche Klischee, als das sie angelegt sind. Leider ist es wenig originell bzw. ziemlich ärgerlich, dass die Männer drei geile Machotypen sind – ob jetzt schwul oder nicht –, während sich herausstellt, dass beide Frauen sexuelle Gewaltopfer sind. Da gäbe es doch noch andere Charaktere. Schade. ESt

Claudia Wessel: Die Bombe. Thriller. 254 Seiten, konkursbuch Verlag Claudia Gehrke, Tübingen 2015 EUR  11,30

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