Interdisziplinäre Männlichkeitsforschung

Wie strittig und politisiert die Entessentialisierung von Geschlecht bzw. Männlichkeiten und Weiblichkeiten nach wie vor ist, zeigt das vorliegende Handbuch in großer Breite auf: Es beginnt nach der Feststellung über die identitätskonstituierende Relevanz von Sprache mit dem Hinweis, dass der Verlag ein generisches Maskulinum in den Texten vorgab. Kampfplätze allerorts also, im Konkreten werden sie nach einer informativen, die Auswahl klärenden Einleitung in deutsch-, englischsprachige Gebiete, Frankreich, Italien, Spanien, Lateinamerika, Russland und Ostmitteleuropa abgesteckt. Dichte enzyklopädische Texte geben Einblick in Männlichkeits- und Genderforschung in jeweiligen Wechselwirkungen mit deren Gesellschaften. Das ist richtig spannend zu lesen! Im zweiten Teil bieten zwölf Fachgebiete – u.a. Archäologie, Biomedizin, Geschichte, Psychoanalyse, Recht, Theologie und Soziolgie – Einblicke in jeweilige Forschungslandschaft, Rezeptionskulturen und offene Fragen der Männlichkeitsforschung. „Künstlerisch-mediale Repäsentationen und theoretische Ansätze“ stellen als ebenbürtige Verhandlungsräume von Männlichkeiten den abschließenden Buchpart. In Film, Fotografie, Kunst, Literatur, Musik und Tanz wird ihren Ausformungen und Veränderungen nachgespürt, kompetent und möglichst knapp wird Einblick in bearbeitete Themen und Erkenntnisse gegeben. Ausführliche Literaturverzeichnisse sind schließlich das Tor zu vertiefenden Auseinandersetzungen und Differenzierung in diesem doch relativ jungen Feld, das sich in populäre Reden über Männlichkeiten verändernd einzumischen versucht. meikel

Männlichkeit. Ein interdisziplinäres Handbuch. Hg. von Stefan Horlacher, Bettina Jansen und Wieland Schwanebeck. 382 Seiten, J. B. Metzler Verlag, Stuttgart 2016  EUR 72,00

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