Kategorie: Romane

Mit Graffiti Berlin beschreiben 

Wie beschreibt man ein Buch, das sich verschmitzt weigert, sich einordnen zu lassen und die Leserin einfach bei der Hand nimmt, mitten in eine fremde und doch vertraute Welt? Am besten fängt man mit seiner Heldin an: Sybilla Kischotta ist alles Mögliche: eine kluge Historikerin, eine weise Stadtführerin, eine freiheitsliebende...

Der Himmel – ein leuchtendes Schneefeld 

Licht und Raum, Klang und Konturen: Karin Ricks jüngster Roman „Venuswelle“ variiert diese Motive auf allen Ebenen, die – ineinanderfließend – die sinnlichen Begegnungen und wechselnden Wirklichkeiten ihrer Protagonist_innen spiegeln, mehr noch: raffiniert erzeugen. Nina, erfolgreiche Modefotografin, und Steve, ein DJ und Surfer aus Blackpool, treffen einander in Caldera und...

Man kennt sich! (… oder doch nicht?) 

Tobias Kolb, Angestellter IT-Services, in irgendeinem Unternehmen in Berlin. Nach der Arbeit geht er regelmäßig zu Prostituierten. An diesem einen Abend im August, den die beiden Autorinnen hier schildern, hat er einen Herzinfarkt, genau zu dem Zeitpunkt als er nackt auf die Prostituierte seiner Wahl wartet. Am gleichen Abend sitzt...

Schöne Tage? 

Bea Diekers Roman ist die Beschreibung eines Hauses. Haus einer Kindheit, eines Heranwachsens, eines Weltentdeckens. Aber die Welt, die es zu entdecken gilt, hat Brüche, ebenso wie das Haus; Brüche, die durch Um-, Aus- und Zubauten offengelegt statt verdeckt werden. Was hier beschrieben wird, ist kein Kindheitsidyll. An den präzise...

Weibliches Schweigen über Gewalt 

Aus der Perspektive einer Enkelin wird die Geschichte von Anna, die Ende des Zweiten Weltkrieges von Polen nach Deutschland fliehen muss, erzählt. Anna kommt nach Kosakenberg, einem Dorf in der sowjetischen Besatzungszone. Sie arbeitet bei den Wendlers als Magd. 1949 kehrt Friedrich Stein aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft nach Kosakenberg – jetzt...

Polnisch oder deutsch? 

Matti und Deli sind die Kinder von Fau und Jad. Fau ist ein evangelisch-freikirchlicher Pastor, Jad ist nach dem Zweiten Weltkrieg von Polen nach Österreich geflüchtet. Die Kindheit von Matti und Deli ist denkbar scheußlich. Die Eltern sind das, was manche Leser*innen, die in den 1960er Jahren geboren wurden, aus...

Kaleidoskop der Nacht 

Eine junge Frau wandert durch die Nacht und beobachtet die beleuchteten Fenster. Was hält diese Menschen vom Schlafen ab? Um das herauszufinden klingelt sie, gibt sich als Forscherin aus und wird bereitwillig eingelassen. Mit jeder Türschwelle, die sie überquert, tritt sie in eine neue Welt ein. Und doch ähneln sich...

In Stücken 

Margit Mössmer führt uns in ihrem Debutroman durch kleine Stücke aus dem Leben einer Frau namens Gerda und damit quer durch Raum und Zeit, vielleicht manchmal auch ein wenig an der Nase herum, aber das macht gar nichts. Ein schönes Kaleidoskop aus Persönlichkeitsfacetten, mit skurrilen und surrealen Einsprengseln, die allesamt...

Altes und neues Leben 

Seit die Fotografin Amina Eapen mit dem Bild eines von der Brücke springenden Selbstmörders indigener Herkunft berühmt wurde, hat sich ihr Leben drastisch verändert. Nun erreicht sie auch noch ein alarmierender Anruf der Mutter: ihr Vater Thomas stehe auf der Veranda und führe mit den verstorbenen Familienmitgliedern in Indien Gespräche....

Geburtstagsbonus für eine Neunjährige 

Eine Schriftstellerin findet am Friedhof in einem Baum versteckt ein totes Baby. Sie trifft auf die neunjährige Samira, die ihr erzählt, dass sie Geburtstag habe und es entspinnt sich ein kurzer Dialog zur Frage, was die Schriftstellerin dem Kind schenken könnte. Dies ist die Anfangsszene aus Monika Helfers neuem Buch,...