„Kein Wort dafür“

Der Salzburger Verlag edition riedenburg leistet mit zwei parallel erschienenen Büchern einen Beitrag zur Enttabuisierung von Totgeburten bzw. Fetozid. Wärmstens zu empfehlen ist das „Bilderbuch für Frauen, die ihr Kind in der Schwangerschaft verloren haben“ – nicht nur für Betroffene, sondern gerade auch für alle anderen. Nicole Schäufler, Künstlerin, Journalistin und Mutter eines „Sternenkindes“, schafft es in ihren eindrucksvollen Zeichnungen und mit wenigen Worten das Unfassbare emotional spürbar zu machen. Der Weg führt von der glücklichen Schwangerschaft über den Kein-Herzschlag-mehr-Moment („Kein Wort dafür“) bis zum schwierigen Umgang des Umfeldes mit dem Thema. Danke für dieses wundervolle Buch. Sandra Wiedemann erzählt in „Am Ende aller guten Hoffnung“ von der schwersten Entscheidung, die sie je zu treffen hatte: Das Mädchen in ihrem Bauch ist schwer behindert und würde nicht lange überleben. Wiedemann entscheidet sich für den Fetozid – ihr Kind soll im Mutterleib einschlafen und dann tot zur Welt kommen, um ihm das qualvolle Sterben nach kurzem Leben zu ersparen. Im ersten Satz des Prologs schreibt Wiedemann: „Abtreibung? Für mich schon seit jeher Ursprung des Bösen – und absolut undenkbar!“ Genau hundert Seiten später – nach Erfahrungen, die keine machen will und sollte – weiß sie jedoch: „Es gibt nicht nur schwarz und weiß. Genau deshalb bin ich jetzt regelrecht sauer auf die Menschen, die sich anmaßen, betroffene Frauen zu verurteilen, weil sie über eine Abtreibung nachdenken.“ Auch hier sind die Schilderungen eindringlich, viele Betroffene werden sich darin wieder finden, Angehörige können besser verstehen. Dem medizinischen Personal, jenen Menschen, die Frauen wie Sandra Wiedemann solche niederschmetternden Diagnosen oft unmenschlich unsensibel auf den Tisch knallen, sei dieser Erfahrungsbericht besonders ans Herz gelegt. GaH

Nicole Schäufler: Gestern war ich noch schwanger. Ein Bilderbuch für Frauen, die ihr Kind in der Schwangerschaft verloren haben. 92 Seiten, edition riedenburg, Salzburg 2014 EUR 20,50

Sandra Wiedemann: Am Ende aller guten Hoffnung. Sterbehilfe im Mutterleib? 252 Seiten, edition riedenburg, Salzburg 2014 
EUR 25,60

 

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