Körper und Materialität weiterdenken

Seit den 1990er Jahren tritt – auch als Konsequenz des „lingustic turn“ – der Körper wieder stärker ins Zentrum des Erkenntnisinteresses. Zentrales Anliegen der dabei entstandenen Affect Theories/Studies ist es, die materiell-körperlichen Aspekte menschlicher Daseinsbedingungen neu auszuloten. Unter Bezugnahme auf sechs, hier erstmals in Deutsche übersetzte, Schlüsseltexte (u.a. von Sedgwick, Ahmed und Cvetkovich) aus dem anglophonen Bereich zeichnen die Herausgeber_innen die heterogenen Ursprünge und Entwicklungen der Affect Studies nach und führen in aktuelle Diskussionen ein. Die Herausgeber_innen signalisieren dabei keine Abkehr sondern eine Erweiterung poststrukturalistischen und dekonstruktivistischen Denkens über Subjektivität, Identität, Körperlichkeit. Sie arbeiten neue Impulse für die in der Geschlechterforschung ja nicht neuen Auseinandersetzungen mit Körper, Emotionen und Affekten, Grenzziehungen und hierarchisierenden Binaritäten heraus. Insgesamt bietet der Band einen äußerst fundierten Einblick in die Ursprünge und Kernthemen der Affect Studies/Theories und damit eine verlässliche Grundlage für das eigene kritische Weiterdenken. Nebstbei ist das Buch auch ein Beispiel für einen gelungenen gendersensiblen Umgang mit Sprache – großer Dank an das Übersetzer_innen-Kollektiv von gender et alia! Das Buch sollte als Grundlagenwerk in keiner wissenschaftlichen Bibliothek fehlen. Roswitha Hofmann

Affekt und Geschlecht. Eine einführende Anthologie. Hg. von Angelika Baier, Christa Binswanger, Jana Häberlein, Yv Eveline Nay und Andrea Zimmermann. 482 Seiten, Zaglossus, Wien 2014EUR 24,95

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