Landschaft mit Frau und Auto

Brigitte Trieb, bildhauernd, holzdruckend und malend seit den 1980ern, hat eine Auswahl ihrer Öle auf Leinwand in einem bilderbuchformatigen Band herausgegeben. Was Roland Barthes für Fotografien das „Punktum“ nennt, sind in Triebs von Buntheit strotzenden Malereien die kleinen Bildstörungen: eine Cola Light-Dose, die wie zufällig auf dem Beistelltischchen stand, als die Protagonistin sich porträtieren ließ („Cola Light“, 2005); das Notausgangsschild (Piktogramm einer rennenden Frau) hinter dem aufmerksam posierenden „Mädchen aus Kolumbien“ (2008); oder das Schild „diesen Sitzplatz bei Bedarf zu überlassen…“ hinter einer U-Bahn-Passagierin, die riesige Blumen auf der Bluse und ein zu klein geratenes Kind am Schoß hat („Wien ist anders“, 2011). Überhaupt sind die Kinder bei Trieb minimales Beiwerk im Hintergrund; die Männer nur selten und schemenhaft im Vorbeigehen „abgelichtet“. Autos hingegen, welche Pracht! Fette A-Klasse-Wagen warten auf ihre zigarettenpausierenden Fahrerinnen, die im Cabriolet verunglückte Isadora Duncan ist in ihrem vorletzten Augenblick festgehalten, eine Frau hat gar ihren 7-Tonner vor dem Garten geparkt. Warum sie, auf den LKW zugehend, ein durchsichtiges Kleid trägt, bleibt der Betrachterin verborgen. Es wirkt, wie soll frau sagen, irgendwie unpraktisch. Auch die Audi 8-Fahrerin, die in weißem Nachthemd und barfuß durch eine Schneelandschaft läuft, büßt ein wenig von der flitzigen Knight-riderin ein. Und hätten die Ladies allesamt ein bisschen weniger Kugelbusen und dafür ein bisschen mehr Schwimmreifen, hach, irgendwie würden die Malereien an Subversion gewinnen. Schön sind sie aber auch so: mit steilen Frauenpersonen im Mittelpunkt, was kann da schon schief gehen. Lisa Bolyos

Brigitte Trieb: Arbeiten/Works. Bildband. Mit Texten von Heimo Kuchling, Katharina Moling, Ingrid Runggaldier, Robert Trsek. 128 Seiten, Folio Verlag, Wien-Bozen 2014EUR 24,90

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