Lebendige Geschichte

 „Töchter einer neuen Zeit“ erstreckt sich von der Zwischen‑ kriegszeit bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Korn begleitet vier Hamburger Frauen, die um die Jahrhundertwende geboren wurden, den Ersten Weltkrieg miterlebt haben und sich nun ihr eigenes Leben aufbauen wollen – noch nicht ahnend, was die Zukunft für sie bereithält. Henny will Karriere machen, bekommt dann aber früh ein Kind. Käthe ist überzeugte Kommunistin, Lina verliebt sich in Louise, und Ida soll durch die Hochzeit mit einem älteren Geschäftsmann den Reichtum ihrer Familie sichern.

Auf der Basis genauer Recherchen wird das Leben der Menschen in der Hansestadt ab 1919 beschrieben. Die politischen und wirtschaftlichen Veränderungen bilden den Rahmen für die Erzählung individueller Schicksale. Die Handlung findet zwischen den vier Frauen und ihrem sozialen Umfeld statt. Auf diese Weise werden verschiedene Perspektiven beleuchtet und die Geschichte wie ein dichtes Netz gewoben, in dem der rote Faden trotzdem nie untergeht. Dazu tragen viele Dialoge bei, die Zwischenmenschliches greifbar machen. Geschickt hat die Autorin eine Frauenklinik zum Mittelpunkt der Handlung ausgewählt: – Ausbildungsort für zwei angehende Hebammen, Platz für Gespräche über Verhütung und Geburten, aber auch ein Ort an dem die Ideologie der Nationalsozialisten nach und nach Fuß fasst. Geschichte lebensnah und aus der Perspektive von Frauen erzählt – literarisch solide, jedenfalls lesenswert! Der zweite Teil der Trilogie erscheint im Juni 2017. Magdalena Legerer

Carmen Korn: Töchter einer neuen Zeit.539 Seiten. Kindler, Reinbek/H. 2016 EUR 19,95

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