Lesbenliebe im historischen Gewande 

Mit „Donaunebel“ legt Stefanie Zesewitz nun ihren dritten historischen Roman im Querverlag vor, der diesmal passend zum 100-Jahr-Gedenken in der Zeit um den Ersten Weltkrieg in Wien und Petersburg angesiedelt ist. Darin finden sich wiederum zahlreiche lesbische Storylines zur großen Liebe und den Widrigkeiten, denen sie gesellschaftlich ausgesetzt ist. Vorerst parallel zueinander erzählt Zesewitz von der russischen Adeligen Aglaja Struzhanova und der Wienerin Theo Brunner, die sich als Mann und Bestattungsmitarbeiter durchs Leben schlägt. Oktoberrevolution, Weltkrieg, Klassenunterschiede, Psychoanalyse und Homosexuellen-Paragraphen werden eingebaut, sodass die von Zufällen gesäumte Liebesgeschichte ihren einigermaßen vorhersehbaren Lauf im Kontext einiger Geschichtsdaten nehmen kann. Literarische oder philosophische Offenbarung darf sich eine_r dabei nicht erwarten, so wie auch die Darstellung des Wiener Lokalkolorits oder Formulierungen wie „Mischling“ oder „er sah auf eine nordische Weise gut aus“ mehr als diskussionswürdig sind. Für Freund_innen des Genres historischer Romane also ein weiterer Titel, der – im Unterschied zum Mainstream – auch lesbische und ein wenig frauenpolitische Themen inkludiert.  mel

Stefanie Zesewitz: Donaunebel. Historischer Roman. 413 Seiten, Querverlag, Berlin 2015  EUR  17,40

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