Lesbische Suspense 

Nach ihrem Erfolg mit „Zwei Fremde im Zug“ galt Patricia Highsmith als Suspense-Autorin. Ihr darauf folgendes Buch, das soeben unter dem Titel „Carol oder Salz und sein Preis“ wieder aufgelegt wurde, veröffentlichte sie 1952 jedoch unter dem Pseudonym Claire Morgan, um nicht fortan als Lesben-Autorin zu gelten. Die junge Kaufhausverkäuferin Therese verliebt sich darin in die etwas ältere, wohlsituierte Carol, woraus sich eine intensive Liebesgeschichte entspinnt, die sich schleichend steigernder Bedrohung durch Carols Exmann ausgesetzt ist. Highsmith hat ein Bad und ein Happy End für den Roman verfasst, schlussendlich erschien der Text mit einer Zukunftsmöglichkeit. Als Taschenbuch erreichte er ein Millionenpublikum, Highsmith erhielt jahrzehntelang Leser_innen-Briefe, die sie auch vielfach beantwortete. Fünf Jahre vor ihrem Tod 1995 stimmte sie einer deutschen Auflage bei Diogenes unter ihrem echten Namen zu und verfasste ein Nachwort mit der Entstehungsgeschichte dieses Romans, der sie mehr als jeder andere heftig emotionalisierte. In der Neuauflage findet sich dieses Nachwort, wie auch ihre Romanskizze und ein sehr informatives, kontextualisierendes Nachwort von Paul Ingendaay, das Highsmiths Tagebücher und Notizen einbezieht. Darin schrieb sie auch über ihre Euphorie an der Arbeit an diesem Text: „Wie dankbar ich bin (…), meine besten Themen endlich nicht mehr durch die Verwandlung in eine falsche Mann-Frau-Beziehung zu verderben.“ Eine rundum außerordentlich lohnende Neu-/Lektüre! mel

Patricia Highsmith: Carol oder Salz und sein Preis. Aus dem Amerikanischen von Melanie Walz. 460 Seiten, Diogenes, Zürich 2015  EUR  13,40

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