Materialistischer Feminismus

Diesem Buch liegt eine wohlüberlegte, überaus detailreiche wie theoriefundierte akademische Abschlussarbeit der Autorin zugrunde. Raphaela Pammer blickt auf vierzig Jahre feministische Bewegung im postfranquistischen Spanien und kommt auch nach genauer Analyse nicht umhin, die „radikale Transformation der kapitalistisch-patriarchalen Gesellschaftsordnung“ im Sinne einer realen Gleichberechtigung zu vermissen. Die Lektüre erlaubt auch, der Positionsbestimmung der Autorin zu folgen, einer mäßig produktiven wenn auch durchaus gelehrten Übung der Entgegensetzung von materialistischen und poststrukturalistischen Zugängen. Ihre wesentlichen Bezugspunkte – die feministische Erweiterung der Staatstheorie von Poulantzas mit Gundula Ludwig und Birgit Sauer, Anna Jónasdóttir und Kathleen B. Jones – sind sowohl für sich gelungen rezipiert als auch zielführend angewendet. Die Besonderheiten des spanischen Feminismus, seine Entstehungsgeschichte in der Militärdiktatur und die (de-)stabilisierende Funktion darin, Feministinnen im Reform-und EU-Integrationsprozess werden bis zur Gegenwart nachgezeichnet. Ein gedrucktes Buch verlangt nach einem Punkt, neue emanzipatorische Perspektiven in der spanischen Geschichte werden aber noch in einer Fußnote erwähnt: Die Indignad@s wurden zu Podemos; mit Ada Colau erobert das lokale Bündnis Barcelona en Comú nicht nur das Rathaus, sondern setzt auf transnationale Solidarität (mit Lesbos und Lampedusa), es geht (wieder) voran! Heide Hammer

Raphaela Pammer: ¡Mujer, lucha por tu liberación! Die Entwicklung der feministischen Bewegung im postfranquistischen Spanien. 290 Seiten, Reihe: Geschlecht – Kultur – Gesellschaft. Gender – Culture – Society, Bd. 18, LIT Verlag, Wien 2015  EUR 30,80

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