Pendelpfleger*innen

Die Autorin der qualitativen Studie hat problemorientierte Interviews mit polnischen Pendelmigrant*innen geführt, die zur Pflege alter Menschen in Deutschland tätig sind. Mit einer Einführung in den aktuellen Forschungsstand zeigt sie Entwicklungsszenarien auf. Die Arbeitskräfte sind auf eine Vierundzwanzig-Stunden-Pflege, die im Rotationsprinzip abläuft, spezialisiert. Verschiedenste Motivationen zur Annahme dieser Tätigkeit sind feststellbar, sie falsifizieren eine zu enge Auslegung des Pflegeberufes und ermöglichen einen differenzierten Blick auf die Interessen der Beschäftigten. Es werden Erfahrungen mit Vermittlungsagenturen, Vor- und Nachteile offizieller Tätigkeit oder Schwarzarbeit beschrieben. Probleme bei der direkten Arbeit werden in allen Gegensätzen geschildert, von Überprotektion (Selbständigkeit wird ignoriert und Abhängigkeit gefördert) bis zur Nichterfüllung der Pflichten, aber auch Anerkennung wird ihnen gegeben. Die Auswertung der Interviews ergab, dass Schwierigkeiten mit der Fremdfamilie wegen der ungeklärten Position als Angestellte oder Teil des Familienverbundes vorprogrammiert sind. Ausbeutung ist möglich. Zweifel an der persönlichen familiären Lebensqualität der Pendelmigrant*innen werden thematisiert, ob es sinnvoll ist, die eigene Familie aus finanziellen Gründen zu verlassen, um die Sozialisierung der Kinder und die Betreuung der Großeltern anderen aufzubürden? Interessant ist die Hypothese, dass die Migrationspflege zum rascheren Wirtschaftswachstum Polens beigetragen haben soll. Eine aufschlussreiche, bestens recherchierte, empfehlenswerte Studie. Erika Parovsky

Patrycjia Kniejska: Migrant Care Workers aus Polen in der häuslichen Pflege. Zwischen familiärer Nähe und beruflicher Distanz. 303 Seiten. Springer, Wiesbaden 2016 EUR 30,83

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