Psychologischer Feinschliff

Jodi und Todd sind am denkbar schlechtesten Moment in ihrer Ehe. Es steht sehr viel auf dem Spiel, insbesondere ein angenehmes und wohlhabendes Leben für Jodi. Sie leben in einer luxuriösen, hochtechnologisierten Wohnung an einer Uferpromenade in Chicago. Beide sind jedenfalls mehr als glücklos vereint. Alles spitzt sich auf das unvermeidliche Showdown zu. Mit minutiöser Genauigkeit und viel Liebe fürs Detail beschreibt die Autorin das beiderseitige Verkennen und die damit verbundenen tiefenpsychologischen Absurditäten in einer zweigeteilten Welt. In jedem Kapitel ändert sie die Perspektive. Einmal erzählt Todd, der ausdauernde und infantile Betrüger, dann wieder Jodi („die stille Frau“), die in ihrer eigenen, behüteten Welt zwischen Yoga, Kosmetikerin und ihrer Arbeit als Psychologin lebt. Die alternierenden Stimmen werfen die Leserin hin und her zwischen den beiden völlig konträren Perspektiven auf ein und dasselbe Problem. Damit sorgt der unter Pseudonym veröffentlichte Roman für höchst amüsantes Lesevergnügen, besonders die sehr intelligente Jodi liebt es, mit ihrem unerschütterlichen Selbsterhaltungstrieb jede Rechnung genauestens zu begleichen. Ein Psychothriller, bei dem die Ehe unweigerlich in einer Katastrophe endet. Alice Ludvig
A. S. A. Harrison: Die stille Frau. Roman. Aus dem Englischen von Juliane Pahnke. 384 Seiten, Bloomsbury Berlin, Berlin 2013 EUR 15,50

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