Reigen ins Ungewisse 

„Sommerreigen“ heißt der neueste Roman der Isländerin Kristín Marja Baldursdóttir auf Deutsch. Sommer ist es auf Island in diesem Buch, ein ungewöhnlich warmer noch dazu. Und ein Reigen ist es, ein Reigen von Personen, Familienmitgliedern, Intrigen, Geheimnissen. Ein mysteriöser „Fremder“ – Franzose mit nordafrikanischen Wurzeln – taucht auf. Er ist Fotograf und gibt vor, einen Bildband über besondere isländische Persönlichkeiten zu planen, in dem Gylfi, der Hoteldirektor, abgebildet werden soll. Doch eigentlich ist er einem Geheimnis auf der Spur, das mit einer Fotografie zu tun hat, die Gylfi mit einer Frau in der Pariser Metro zeigt. Je mehr über Gylfi erzählt wird, desto mehr Brüche tun sich auf. Da wird jede Menge Spannung aufgebaut. Immer wieder geht es auch um die Thematik des Fremdseins und den Umgang mit „dem Fremden“ in der kleinen, geschlossenen Gesellschaft Islands, wo ganz viel ganz schnell „fremd“ ist. Einer der stärksten Erzählstränge – inhaltlich wie literarisch – ist dabei der über Senna, die nicht-weiße Adoptivtochter Gylfis. Und dann ist der Reigen zu Ende, aber hier schließt sich kein Kreis, sondern die Leserin fällt mit allen unaufgelösten Geheimnissen und Intrigen buchstäblich in einen eiskalten isländischen Fluss. Schluss, aus, ratlos. ESt

Kristín Marja Baldursdóttir: Sommerreigen. Roman. Aus dem Isländischen von Tina Flecken. 285 Seiten, Fischer Krüger, Frankfurt/M. 2015  EUR  19,60

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