Schöne Tage? 

Bea Diekers Roman ist die Beschreibung eines Hauses. Haus einer Kindheit, eines Heranwachsens, eines Weltentdeckens. Aber die Welt, die es zu entdecken gilt, hat Brüche, ebenso wie das Haus; Brüche, die durch Um-, Aus- und Zubauten offengelegt statt verdeckt werden. Was hier beschrieben wird, ist kein Kindheitsidyll. An den präzise rekonstruierten Gegenständen und Räumen haften untrennbar, wie durch geübte Memotechnik verbunden, Beziehungen und Erlebnisse, An- und Zumutungen, erzählt aus dem unverklärten Blickwinkel des Mädchens, der Jugendlichen, die konfrontiert sind mit dem Erstaunen, dem Nichtbegreifen, dem Unerhörten, der Eskalation. Marmorierte Fliesen, rosa Zahnpasta, muffige Besenkammer und überflüssiger Wintergarten sind Memory-Cards für Ereignisse, Erlebnisse, Beziehungen, Beklemmungen. Das Streben nach Wohlstand, dem sich alles unterwirft in diesem Haus, widerspiegelt sich in einer fortwährenden Reihe von Eingriffen in die Bausubstanz , die es doch nicht vermögen, aus dem Haus etwas anderes zu machen als einen Hort des familiären Ehrgeizes, der Sehnsucht nach einem besseren Leben, das ein zu erkaufendes ist. Jenseits einer „Wickie, Slime und Paiper“-Idylle entsteht auch das Bild einer verbissen um Wohlstand und gesellschaftlichen Aufstieg kämpfenden Generation, bei der der Zweck jedes Opfer heiligt und in das sich wohl bei vielen LeserInnen unwillkürlich eigene Erfahrungen drängen. Lesen! Helga Lackner

Bea Dieker: Vaterhaus. Roman. 112 Seiten, Jung und Jung, Salzburg-Wien 2015  EUR  16,90

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

drei − drei =