Selbstzeugnisse einer Pionierin

Lotte Cohn (1893–1983) war in mehrfacher Hinsicht eine Pionierin: als Architektin und als Zionistin. Cohn war eine der ersten deutschen Frauen, die ein Architekturstudium absolvierten. 1921 wanderte sie in das britische Mandatsgebiet Palästina ein und wirkte am Aufbau Israels mit.

Ines Sonder, die zum Beitrag deutscher ArchitektInnen der Moderne zur Baugeschichte Israels forscht, hat bereits 2010 eine Monografie zu Lotte Cohn vorgelegt. Der nun erschienene Textband dokumentiert Cohns publizierte Schriften, Band 2 soll sich Cohns Briefen widmen. Die Texte, die Sonder zusammengestellt (und dafür teilweise aus dem Hebräischen übertragen) hat, sind zum Teil fachlicher Natur. So legte Cohn etwa die Prinzipien moderner Wohnungseinrichtung, wie sie in den 1920er Jahren am Bauhaus für IndustriearbeiterInnen entwickelt wurden, auf die Lebensverhältnisse von SiedlerInnen um, die im levantinischen Klima als SelbstversorgerInnen Landwirtschaft betrieben. Daneben gibt Cohn Zeugnis über ihr eigenes Leben über das ihrer WeggefährtInnen – und somit über das Selbstverständnis der PionierInnengeneration der deutschen EinwandererInnen. Diese persönlichen Erinnerungen sind es auch, die sich mir bei der Lektüre am stärksten eingeprägt haben. Sonja Hnilica

Lotte Cohn. Eine schreibende Architektin in Israel. Bd. 1: Ausgewählte Schriften (1934–1982).Hg. und kommentiert von Ines Sonder. 188 Seiten, Neofelis, Berlin 2017EUR 24,70

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