Sich der Erfahrung der Depression nähern

Der Körper fährt herunter, und auch die Seele: Sie steht still. Die Depression ist wie ein Winterschlaf. – So beschreibt eine Betroffene ihre Erkrankung. Über ein Jahr hat die deutsche Fotografin Nora Klein für ihr Kunst-Projekt zu Depressionen Kontakt mit erkrankten Menschen gesucht, mit ihnen Gespräche geführt, ihre Portraits angefertigt und in der kunstvoll gestalteten Druckversion auch deren eigene kreative Werke und kurze autobiografische Texte aufgenommen.

„Mal gut, mehr schlecht“ ist eine gemeinschaftliche Anstrengung geprägt von Vertrauen, Mut und Offenheit, um die oft banalisierte Diagnose Depression atmosphärisch in ihrer ganzen unbarmherzigen Dimension spürbar werden zu lassen.

„Ich kann mir die Freiheit nehmen aus der Intuition heraus zu fotografieren,“ formuliert Nora Klein ihre fotografische Haltung. Es ist ihr gelungen, sich dem Thema behutsam zu nähern ohne dabei bloß psychoedukatives Material zu liefern: Bilder metaphorisch karger Landschaften und Innenraum-Details wechseln mit kurzen Auszügen aus autobiografischen Schilderungen über Verzweiflung, klinische Aufenthalte und „die Dame in Schwarz“.

Judith Fischer

Nora Klein: Mal gut, mehr schlecht. 136 Seiten, Hatje Cantz Verlag, Berlin 2017 EUR 41,20

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