Sich Krähen nähern

In diesem schönen schmalen Band erzählt Monika Maron von ihrer Annäherung an die Krähen, sollen doch die hochintelligenten Vögel zur „historischen und moralischen Instanz“ ihres nächsten Buches werden. Und um dies zu tun, um ihnen näherzukommen, so zumindest der Plan, möchte sie sich mit einer Krähe anfreunden, was sich jedoch schwieriger ausgestaltet, als zunächst angenommen. Maron beobachtet, füttert und versucht einzelne Krähen wiederzuerkennen, gleichzeitig wird auch sie beobachtet: von den Krähen auf ihren Spaziergängen mit ihrem zunächst skeptischen und etwas später stoischen Hund, auf denen sie eine Spur an Walnüssen und Hundefutter hinter sich herzieht; von der Nachbarschaft bei der Balkonfütterung, bei dem Versuch, den Krähen das Innere zugänglich zu machen. Maron stellt diesen Erzählungen Krähen in der Literatur zur Seite, etwa bei Annette von Droste-Hülshoff, Theodor Fontane, Edgar Allan Poe oder Philip Roth, und so entsteht eine Liebeserklärung an das (Raben-)Tier als „verlässlichste Freude am Tag“ und eine wunderbar temperierte Betrachtung des Verhältnisses von Tier und Mensch. Susanne Oechsner

Monika Maron: Krähengekrächz. Nachwort von Elke Gilson. 63 Seiten, S. Fischer, Frankfurt/M. 2016 EUR 12,40

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

10 + 6 =