Und sie schrien. Und sie liefen.

Wien Fünfhaus. Die Nase haben sie noch kaum aus der Volksschule gesteckt, doch allesamt bereits ein Ordentliches zu viel an Erwachsenenwelt erlebt. Sexarbeit ist ein Begriff, den Pamela an den Striemen und blauen Flecken am Körper der Mutter begreifen lernt. Depression bedeutet für Kevin eine Mutter, die tagelang bewegungslos vor sich hindämmert und ihm keine Schulsachen kaufen kann. Tradition ist für Yalcin ein Vater, der nur in Klapsen kommuniziert und eine Mutter, der der Name genommen wurde und die vom Küchentisch springt. Zuwendung erlebt Georg als Druck, doch endlich schneller zu begreifen, unerfüllbar und daher ständig hungrig danach. Zusammen gelingt es ihnen, sich ein wenig Kindheit zurückzuerobern. Im Versteck im Beserlpark nicht nur darüber reden können, was zu Hause vor sich geht, sondern auch ein Verstehen erleben. Eine Mühe, die weder LehrerInnen noch große Brüder auf sich nehmen wollen oder können. Nur kurz währt das Aufatmen. Ein toter Pensionist mit pädophilen Neigungen hat schon längst seinen Schatten auf die Kinder geworfen. Dagmar Fenniger-Bucher erzählt mit großer Einfühlsamkeit, macht die Situation jedes der vier Kinder sorgsam begreifbar und hinterlässt die Leserin niedergeschmettert. Was angesichts der Thematik ja auch angebracht ist. bw
Dagmar Fenninger-Bucher: Wir sind hier, wir tragen Namen. Roman. 258 Seiten, Bibliothek der Provinz, Weitra 2014 EUR 20,00

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