Vater – Mutter – Kind: Eine Kritik

Gisela Notz geht der Familie auf die Spur. Sie untersucht, welche Rolle das Kernfamilienmodell in verschiedenen historischen Epochen, politischen und sozialen Strömungen spielt und inwiefern die bürgerliche Familie mit der Entwicklung des Kapitalismus in Zusammenhang steht. Der Begriff des Familismus/Familialismus bezeichnet jene Ideologie, die die bürgerliche Kleinfamilie als Leitform der sozialen Struktur setzt bzw. als einziges familiäres System anerkennt und dient der kritischen Betrachtung derselben. Notz erarbeitet sowohl die Bedeutung der Familie für die politischen Epochen und deren Gesetzgebung (ein wenig zu detailreich), als auch die Kritik am Kernfamilienmodell, die sich durch die Geschichte zieht und alternative Lebensformen hervorgebracht hat. Besonderes Augenmerk liegt auf der feministischen Kritik am familialistischen System. Sehr genau setzt sich die Autorin mit dem Unterschied zwischen dem Einfluss des bürgerlichen Familienmodells in der DDR und der BRD auseinander. Wie schon zuvor hindert die Detailliertheit daran einen guten Überblick zu schaffen. Notz vermittelt anschaulich, wie die (u.a. familien- und frauen-)politischen Maßnahmen von der Kleinfamilie ausgehen, obwohl sie nicht der Lebensrealität der Menschen entsprechen und sich dadurch der diskriminierende Charakter des Familismus ergibt. Das Buch lädt ein, eigene Lebensentwürfe zu hinterfragen und den selbstverständlichen Begriff der Familie kritisch zu überdenken.

Magdalena Übleis-Lang

Gisela Notz: Kritik des Familismus. Theorie und soziale Realität eines ideologischen Gemäldes. 225 Seiten, Schmetterling, Reihe theorie.org, Stuttgart 2015 EUR 10,30

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