Vegane Rebellion

Yong-Hue ist eine nicht weiter auffallende Frau – absolut durchschnittlich, wie ihr Mann sie beschreibt. Sie hat sich weder die Augenlider auf europäisch operieren lassen wie ihre Schwester, noch jemals irgendwelche Wünsche an ihren Mann gerichtet. Sie arbeitet und führt den Haushalt, in ihrer Freizeit liest sie. Doch eines Tages hat sie einen Traum, der ihr Leben verändert – sie weigert sich von heute auf morgen Fleisch zu essen und wird zur Veganerin. Niemand in ihrer Umgebung kommt damit klar. Aber das war nur der Beginn ihrer Verweigerung der Anforderungen, die von ihrer Familie und der Gesellschaft an sie gestellt werden. Und sie verweigert sie absolut, indem sie nur noch danach strebt, eine Pflanze zu sein. Ein Aufflackern von Leben zeigt sich noch einmal, als sie sich ihrem Schwager für eines seiner Kunstprojekte zur Verfügung stellt. Ihre Schwester lässt sie schließlich in die Psychiatrie einweisen. Dennoch ist die Schwester bald die einzige, die sich um Yong-Hue kümmert, und das trotz ihrer eigenen Schwierigkeiten als überforderte frisch getrennte Unternehmerin und Alleinerzieherin.

Auch wenn die Geschichte aus der Sicht von Yong-Hues Ehemann, Schwager und Schwester erzählt wird, ist sie dennoch intensiv spürbar. Auch die Geschichte der Schwester wird sehr eindringlich erzählt und gibt viel Einblick in den koreanischen Frauenalltag. Ein sehr interessantes Buch mit einem Coverumschlag, der Bände spricht. gam

Han Kang: Die Vegetarierin. Aus dem Korean. von Ki-Hyang-Lee. 190 Seiten, aufbau Verlag, Berlin 2016 EUR 19,50

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