Vergangenheit ist Gegenwart ist Zukunft 

Irina ist Kirchenrestauratorin, sie arbeitet mit Leidenschaft und großer Ausschließlichkeit an der Wiederherstellung von Wandmalereien, sie sieht sich selber als Heilerin der Wunden in den Kirchen. Sie liebt diese Arbeitsaufenthalte, bringen sie sie doch weg von der schwierigen Beziehung mit ihrer Tochter Zoe und diversen Ex-Liebhabern, die es wagen, Forderungen an sie zu stellen. Doch ein Auftrag in einem früher von Sudetendeutschen bewohnten Dorf in Tschechien wirft sie aus der Bahn. Sie kann zu der Kirche und ihren Mauern keine Beziehung aufbauen, immer rastloser versucht sie, ihrem Unbehagen gegenüber dem Ort auf die Spur zu kommen. Sie hat Halluzinationen von einem jungen Liebespaar, einer Sudentendeutschen und einem Tschechen. Diese Bilder sind viel stärker als bloß ein Traum oder die Folge ihres Schlafmangels und ihrer Beziehungsprobleme. Bald erkennt sie, dass die Bilder aus der Vergangenheit des Ortes stammen, aus der Zeit der Vertreibung der Sudetendeutschen durch die TschechInnen. Irina versucht zunächst, die Halluzinationen zu ignorieren, das gelingt jedoch nicht. Also muss sie sich damit auseinandersetzen: Was hat das alles mit ihr zu tun? Wieso muss sie sich auf einmal mit der Vergangenheit eines Ortes so tiefgehend befassen, was sie bislang vermieden hat? Corinna Antelmann legt einen sehr überzeugenden Roman vor, in dem sie die generationen übergreifenden Auswirkungen von Vertreibung und Flucht eindringlich ihre Wirkung entfalten lässt – sehr empfehlenswert. gam

Corinna Antelmann: Hinter die Zeit. Roman. 288 Seiten, Septime, Wien 2015 EUR  22,50

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