Viel Hirn in und aus der Genderforschung

Die Gender Expertinnen Sigrid Schmitz und Grit Höppner versammeln im vorliegenden Band Gendered Neurocultures Beiträge, die eine feministische und queere Perspektivenbildung in der neurowissenschaftlichen Forschung sowie eine gendersensible Neuropädagogik avisieren. Was zunächst wie ein „Orchideenfach“ anmutet, wird allgemeiner, wenn die breite Akzeptanz hirngeleiteten Denkens in Betracht kommt.

In den interdisziplinären Analysen steht wissenschaftliche Wissensproduktion selbst am Prüfstand, vorrangig da, wo es um Sex, Gender und Gehirn bzw. wissensgeleitetes Denken geht. Gendernormen, die (auch) neurokulturellen Entwicklungen inhärent sind, werden in Frage gestellt und in einem breiteren Gender-Kontext diskutiert, als sie es in fachlichen „Mainstream-Diskursen“ (oftmals) tun. So stehen etwa die Geschlechterspezifizität aggressiven Verhaltens (Karen O’Connell), „mütterlicher Instinkt“ (Odile Fillod) und kritische Reflexionen zu „affektivem Verhalten” (Edyta Just) als „(gender)typische Normbilder“ in Frage, die über fachliche Zuschreibungen in der Brain-Forschung hinausgehend im Alltagsleben bzw. im „worst case“ auch in der Forensik Bedeutsamkeit erlangen. Ein kluger Band mit renommierten Forscherinnen ist den Herausgeberinnen Sigrid Schmitz und Grit Höppner hier gelungen. Gute Englischkenntnisse, die in wissenschaftlichen Kooperationen und internationalen Publikationen nötig sind, werden vorausgesetzt. Gerlinde Mauerer

Gendered Neurocultures. Feminist and Queer Perspectives on Current Brain Discourses. Hg. von Sigrid Schmitz und Grit Höppner. 402 Seiten, Zaglossus, Wien 2014EUR 24,95

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