Was soll ich mit diesem Leben machen?

Annika ist fast 30 und weiß nicht so genau, was sie mit ihrem Leben anfangen soll. Der Job als Physiotherapeutin war unbefriedigend – der neue Job als Kellnerin ist es aber auch. Liebesbeziehungen mit Männern sind irgendwie verlogen und eingebunden in Strukturen familiärer Abläufe, denen man immer schon entkommen wollte. Die ländliche Idylle des Elternhauses wurde schon vor Jahren verlassen, jetzt werden die Wochenenden in einem Haus mit Garten im Weinviertel verbracht. Die beste Freundin lässt sich von ihrer siebenjährigen Tochter tyrannisieren, trotzdem wird das Kinderkriegen von allen Menschen rundherum idealisiert. Das Leben ist einfach bitter. „Seit ich Mitte zwanzig bin, habe ich das Gefühl, dass die Beziehungen in meiner Umgebung zu profanen Werkzeugen des Kapitalismus verkommen sind. Vordergründig mag es um Gemeinschaft und Sex gehen, aber im Hintergrund bastelt die Gesellschaft an der nächsten Generation von Weicheiern und Versagern, die es nicht erwarten können, sich vom Erwerbsleben versklaven zu lassen.“

Ein Roman über Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit Einzelner und der heutigen Gesellschaft – manchmal witzig, sehr direkt, aber auch ein bisschen traurig.

bf

Gertraud Klemm: Erbsenzählen.160 Seiten, Droschl, Graz-Wien 2017 EUR 19,00

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