Wenn das Wasser am schnellsten läuft

Haushälterin oder Sklavin? Als letztere will sich Fatou nicht verstehen, auch wenn ihr der Pass abgenommen wurde und ihr Lohn für Kost und Logis einbehalten wird, so darf sie doch das Haus verlassen. Sie wurde nicht entführt, sondern hat gemeinsam mit ihrem Vater die Elfenbeinküste verlassen, um Arbeit zu finden. Ghana, Libyen, Italien und nun London. Illegalisiert, doch bestrebt sich Freiheiten zu verschaffen, wie etwa das wöchentliche Längenschwimmen im nahen Wellnesscenter. Am Weg dorthin liegt die kambodschanische Botschaft, wo hinter hohen Mauern Federball gespielt wird. Fatous Gedanken kreisen und erschließen Zusammenhänge. Können wir an der Botschaft von Kambodscha vorbeigehen, ohne an Völkermord zu denken? Warum wird über die Millionen an Menschen, die in Ruanda umgebracht wurden, nicht gesprochen? Wie kann den Namenlosen, die, ob tot oder lebendig, an der Mittelmeerküste ankommen, eine Geschichte gegeben werden? Hierzu ist Zadie Smith ein hervorragender Ansatz gelungen. bw
Zadie Smith: Die Botschaft von Kambodscha/The Embassy of Cambodia. Erzählungen. Aus dem Englischen von Tanja Handels. 128 Seiten, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2014 EUR 8,30

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