Wer im Glashaus sitzt…

Bereits seit 2008 schreibt die im Jahr 1960 geborene Dänin Inger Gammalgaard Madsen Kriminalromane. Die gelernte Grafikdesignerin aus Aarhus gründete 2010 ihren eigenen Verlag „Farfalla“ und beschäftigt sich seit 2014 hauptberuflich mit dem Schreiben. Seit ihrem Debüt wird sie in Dänemark als „neue Krimikönigin“ gehandelt. „Gestohlene Identität“ ist der fünfte Teil, in dem Madsens Kommissar Roland Benito, ein Däne mit siziliani‑schen Wurzeln, und die Journalistin Anne Larsen in der Stadt Aarhus ermitteln.

Schlüsselperson ist die junge und moderne Sara Dupont, die sich für die sozialen Netzwerke begeistert. Der Schauplatz ist Venedig: Sara und ihr Mann verbringen wunderbare Urlaubstage in der Karnevalsstadt, bis seltsame Dinge passieren. Saras Tasche wird gestohlen und eine junge Frau, die in derselben Nacht tot aus dem Kanal gefischt wird, schenkt ihr zuvor ihre Karnevalsmaske. Ein Jahr später in Aarhus: Kommissar Benito wird in die Gerichtspsychiatrie gerufen, nachdem eine Insassin auf der Flucht eine Krankenschwester getötet hat. Die Patientin ist niemand Geringerer als Sara Dupont, die wegen Mordes an ihrem kleinen Sohn und eines Selbstmordversuches eingeliefert wurde. Dabei hätte ihr niemand eine so grauenvolle Tat zugetraut. Für Kommissar Roland Benito und Anne Larsen stellt sich immer mehr die Frage: Wer ist Sara Dupont? Wer steckt hinter ihrer Identität? Madsens Spiel mit den Grenzen zwischen Realität und virtueller Realität, Wirklichkeit und Fantasie, lassen erschaudern. Man stellt sich unweigerlich die Frage, ob man nicht selbst schon zu sehr im Glashaus sitzt. Karina Böhm

Inger G. Madsen: Gestohlene Identität. Aus dem Dän. Von Kirsten Krause. 369 Seiten, Osburg-Verlag, Hamburg 2017 EUR 12,40

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