Wir brauchen andere Geschichten!

„Es ist von Bedeutung, welche Gedanken Gedanken denken. Es ist von Bedeutung, welches Wissen Wissen weiß… Es ist von Bedeutung, welche Geschichten Geschichten erzählen.“

Das Neu- und das Umschreiben von Begriffen, Figurationen sowie von Geschichten hat von jeher einen wichtigen Stellenwert in den Arbeiten Donna Haraways. Metaphern sind für sie nicht einfach Worte, sondern materiell-semiotische Akteur*innen – das Wort und das Fleisch gehören zusammen. Insofern mag es kaum verwundern, dass sie in aktuelle Debatten um das Anthropozän – das aktuelle Erdzeitalter, in dem der Mensch zum wichtigsten Einfluss auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse auf der Erde geworden sei – eingreift, weil sie es ablehnt, den Menschen abermals ins Zentrum zu rücken und gerade nicht das gemeinsame Werden mit anderen in den Blick zu nehmen. Sie führt daher einen neuen Begriff ein: das Chthuluzän, der das Lernen repräsentieren soll, auf einem beschädigten Planeten verantwortungsvoll (gut) zu leben und zu sterben. Und zwar gemeinsam mit anderen, wie z.B. Tauben, Medusen-artigen, Schafen, Orchideen, Bienen, Lemuren, Bergen, Hunden, Schmetterlingen und vielen anderen mehr. Und vielleicht auch ein bisschen wie die anderen zu werden. Nach „Cyborgs for Earthly Survival“ und „Run Fast – Bite Hard“ heißt es nun „Make Kin, Not Babies“!   Dagmar Fink

Donna J. Haraway Staying with the Trouble. Making Kin in the Chthulucene.  312 Seiten, Duke University Press, Durham-London 2016 EUR 28,99

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