Wir opfern hier so viel dafür!

1934. Die neunzehnjährige Irmina reist von Stuttgart nach London um eine Ausbildung als Fremdsprachensekretärin zu absolvieren. Mutig, weltoffen und lebenshungrig will sie sich ein selbstbestimmtes Leben schaffen. Aus der Begegnung mit Howard, der seine Heimat Barbados verlassen hat, um in Oxford zu studieren, wird eine Beziehung. Es ist Irmina, die angesichts einer rassistischen Konfrontation im Kino für ihn die Stimme erhebt, auch wenn sie sich als unpolitisch verstehen will. Aus ökonomischen Zwängen kehrt sie letztlich nach Deutschland zurück. Die neunundzwanzigjährige Irmina hat ein Kind geboren, verdunkelt die Fenster ihrer Berliner Wohnung, wartet in Schutzräumen auf das Ende der nächtlichen Bombenangriffe, und auf Feldpostkarten. An den zersplitterten Fensterscheiben des Kaufhauses läuft sie nicht sehen wollend vorbei. Die Ideologie hat ihre Wurzeln in sie geschlagen. Letztlich müssen noch gut 40 Jahre vergehen und einiges an Kilometern zurückgelegt werden, bis sich Irmina mit dem Wandel ihrer Werthaltungen auseinandersetzen kann. Barbara Yelin platziert ihre Protagonistin in stimmig düsteren Bildern, die unmittelbar an die Fotoalben unserer Großeltern erinnern. Ob die Leserin der Heldin Sympathie entgegenbringen will soll ihr selbst überlassen bleiben. bw
Barbara Yelin: Irmina. Graphic Novel. 300 Seiten. Reprodukt, Berlin 2014 EUR 39,90

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

zwei + zwanzig =