Ziemlich viel für ein Leben 

Die Leserin begleitet Lola über einen Zeitraum von nicht einmal einem Jahr. Sie wird mit Situationen und Gefühlen konfrontiert, die einer Person, die sich als Jüdin fühlt, zustoßen. Da in Rückblenden auch die Familiengeschichte erzählt wird, erfährt frau anhand der verschiedenen Familienmitglieder, wie deren Leben in der Zeit der Shoah und in der DDR geprägt wurde. Lola lebt teils im heutigen Berlin und teils in Tel Aviv. In Berlin begegnen ihr im beruflichen Zusammenhang und privat Antisemitismus und auch Wünsche, es möge doch nach 70 Jahren endlich Schluss mit dem ewigen Reden von der Schuld Deutschlands sein. In Israel erlebt sie Auswirkungen der eskalierten Spannungen zwischen dem israelischen Staat und den palästinensischen Gruppierungen im Alltagsleben und die Veränderungen in der Persönlichkeit ihres Freundes, der als Soldat gedient hat. Und erfährt nicht zuletzt Details ihrer Familiengeschichte, in der der Vater eine besondere Rolle hat. Bei all dem Schweren kommt die Lust am Leben und der Sexualität nicht zu kurz, und Lola trifft ihre Entscheidungen. Beeindruckt hat mich, wie die Autorin alle Ebenen und Themen zu einem Ganzen geformt hat. Letzten Endes liegt ein kurzweilig zu lesender und spritziger Roman vor, der sowohl für Einsteigerinnen in die Themen als auch Informierte lesenswert sein könnte. Erna Dittelbach

Mirna Funk: Winternähe. Roman. 352 Seiten, S. Fischer, Frankfurt/M. 2015 EUR  20,60

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